Autor Thema: Wer dem Staat vertraut, braucht keinen Gott  (Gelesen 1247 mal)

Rüdiger Ludwig

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Wer dem Staat vertraut, braucht keinen Gott
« am: 2018-04-28, 16:04:31 »
Hier ein Link, der uns freundlicherweise von einem unserer ehemaligen Mitglieder zugesandt wurde. Es beleuchtet den Zusammenhang zwischen einem Staat, der sich um seine Bürger kümmert und der Religiösität seiner Bürger.

Ich persönlich halte das Thema für interessant. ich würde gerne wissen, wir sich dann eine Thematik, wie da (bedigungslose) Grundeinkommen, dass meiner Meinung nach in irgend einer Form kommen wird, auf die Religiösität auswirken wird.

http://www.sueddeutsche.de/wissen/sozialpsychologie-wer-dem-staat-vertraut-braucht-keinen-gott-1.3956591

Lakai_Ecu_Zorn

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Re: Wer dem Staat vertraut, braucht keinen Gott
« Antwort #1 am: 2018-04-28, 16:43:50 »
Danke für den Link. Herrmann mag ich zwar nicht, doch er hat was nettes geschrieben:

"Die Wissenschaftler betrachten ihre Ergebnisse als Argument dafür, dass Religionen nicht wegen ihrer spezifischen Inhalte für Menschen attraktiv sind, sondern weil diese psychische Bedürfnisse stillen. Die meisten Glaubenssysteme bieten ihren Anhängern Halt, ein Gefühl von Kontrolle und Trost im Angesicht von Unsicherheit. In zahlreichen Studien haben Forscher beobachtet, dass persönliche Verluste, Einsamkeitsgefühle oder zum Beispiel Naturkatastrophen Menschen für religiöse Inhalte empfänglich machen."

finde ich daraus heraushebenswert. Das Sicherheitsgefühl-Argument ist allerdings sehr alt.

Dennoch fiinde ich, dass ein atheistischer Ersatz der Gemeinschaft wie es etwa in "disseits" dargestellt auch bei einem Todesfall gibt, genau diese Bedürfnisse stillt. Daher meine Forderung, dass "zu erwartendenden Gefühlen" wie Trauer oder "Einsamkeit/Bedürfnis nach Nähe" durch Dinge wie etwa Sunday Assembly gestillt werden würde.

Assembly artet nach meiner Verfolgung der Thematik mehr und mehr in "religionskulturähnliche" Kreise aus, daher bin ich unentschlossen, wie gesellschaftspolitsich dem Bedürfnis nach Nähe im Internetzeitalter / Kommunikationszeitalter genüge getan werden kann. "Hobbys nachgehen" ist jetzt nicht gerade etwas profund Neues...

Überhaupt sollten wir uns fragen, wie weit Gefühle Steuerungsmechanismen in Gang setzen sollten. Mein Skeptizismus weicht da leider schon Argwohn - ich kenne keine "Lösung", soweit dieser Begriff hier überhaupt eine Rolle spielt.
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Rüdiger Ludwig

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Re: Wer dem Staat vertraut, braucht keinen Gott
« Antwort #2 am: 2018-04-29, 07:57:24 »
Nun, die Sunday-Assembleys sind sicherlich ein eigenes Thema wert. Ich persönlich finde sie in ihrer Existenz okay. Wenn jemandem das Konzept einer Sunday Assembley zusagt, ist es gut, wenn eine angeboten wird. Über ihre aktuele Entwicklung weiß ich allerdings gar nichts.

Dennoch ist meines Erachtens eine Assembley an dieser Stelle leicht am Thema vorbei. Hier geht es ja gerade nicht um der Zusammenhang zwischen "wie verhalte ich mich im privaten und welche Alternativen habe ich zur Kirche". Es geht ausdrücklich um den Punkt: Was bedeutet das Fürsorgeverhalten des Staates seinen Bürgern gegenüber für deren Religiösität?

Gerade in der Überschneidungen zur Politik ist dieses ein überaus interessanter Punkt. Der Artikel legt nahe, dass gerade ein stark stützender Staat den Kirchen entgegen wirkt. Viele Parteien, die ähnlich wie wir Kirchen zurückdrängen möchten, haben aber eine eher liberale bis libertäre Haltung. Damit würden sie also die Menschen eher wieder in die Arme der Kirchen treiben.

Ich hatte absichtlich in meinem ersten Beitrag bereits das (bedingungslose) Grundeinkommen erwähnt, denn es könnte auch in dieser Hinsicht in einem interessanten Kreuzungsbereich liegen: Es kann dazu führen, dass kein Mensch sich mehr Sorgen um seine Existenz machen muss (erfüllt insofern die Bedingungen des sich sorgenden Staates), macht dieses aber auf eine Art, die die Entscheidungen des Menschen selber - eben bedingungslos in den Fordergrund stellt (und erüllt in dieser Hinsicht eher liberal-libertäre Ansätze).

Vielleicht hört man raus, dass mich das Thema BGE sehr interessiert - und ich hier einen weiteren Ansatz sehe, warum es uns in unseren Ansätzen der religionsärmeren Gesellschaft unterstützen könnte.
« Letzte Änderung: 2018-04-29, 08:00:08 von Rüdiger Ludwig »

Lakai_Ecu_Zorn

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Re: Wer dem Staat vertraut, braucht keinen Gott
« Antwort #3 am: 2018-05-09, 21:08:41 »
Tatsächlich weise ich in meinem Beitrag auf die Ungelöstheit emotionaler Probleme hin. Denn dieses Wort ist die Crux.

Das bGe halte ich für begrifflich irreführend, auch wenn ich es politisch befürworte.

1.

Leider suggeriert diese Begriffsbildung, man müsse nichts tun für sein Glück. Letzteres lässt sich ausdifferenzieren und messen. Ein Einkommen ebenfalls. Dennoch ist hier "bedingungslos" und auch "Einkommen" täuschend in dem Sinne, dass es die Unabhängigkeit von Außen für sein eigenes Glück und das Wort "Einkommen" eine Erwerbstätigkeit suggeriert.

2.

Ein "Geld erhalten" vom Staat ohne rechtliche Bedingung (bis auf die Staatsbürgerschaft?) halte ich für sehr begrüßenswert, da wir mit der Zusammenlegung von ALG I und II zum Grundsicherungsbetrag bereits eine Vereinfachung erfuhren. Hier anzusetzen und einem freien Bürger zu gestatten alle möglichen Sicherungen selbst vorzunehmen ist politisch ganz nett (liberal), vergißt es dennoch den "sozialen" Aspekt.

Ich könnte auch konstatieren "Geld allein macht nicht glücklich". Doch das wussten wir doch schon alle.

3.

Worauf ich hinweise, ist, dass Glück nicht "erkauft" oder "abgesichert" werden kann. Glück lässt sich in verschiedene Indikatoren aufteilen und individuell sowie kollektiv messen. Hier werden durch ein bGe tatsächlich künstlerische, musische, literarische, philosophische und nicht-dekonstruktivistische Verursacher von Glück indirekt gefördert, erlaubt es doch sich dem hinzugeben, was nicht in einen "traditionellen Beruf" gepresst werden kann.

Doch die Verantwortung für Glück liegt weiterhin sehr stark beim Individuum. Ob in einer Entlastungs-Depression, einem Leere-Gefühl, Gleichgültigkeit oder sogenannter Trägheit nun nicht ein gesellschaftliches "Problem" nunmehr "verschoben" statt gelöst wäre, halte ich für die viel interessantere Frage; dennoch verfehlt auch dieser Gedanke den Zweck.

4.

Daher war ich auf SA eingegangen, welches ja nach eigener Aussage aus Brighton, wo ich war, "Lifefulness" zelebriert - und zwar unabhängig von einem "religiösen" Aspekt. "Leider" ist es nunmal so, dass ein Leben, dass "lebenswert" sein soll, alle möglichen Aspekte beinhalten will. Wenn jemand sich bekreuzigen oder niederknien und den Kopf auf den Boden legen will um Glück zu erfahren - jedem das Seinige.

Doch eine ontologische Erwägung zugrundelegend wird indes Glück alleinig höchstens bereichert, nicht ersetzt. So gibt es namhafte Vertreter der Auffassung, man müsse "unten gewesen sein" um das "oben sein" - auf der emotionalen Ebene - wertschätzen zu können. Hier wird es dann doch zu philosophisch für mich. Die Philosophie dieser Ebene überlasse ich dann doch lieber den "Voll-Philosophen".

5.

Deswegen habe ich vorher das alte Nähe-Distanz-Dilemma/Trilemma aufgegabelt.
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